Stillen darf heutzutage nicht einfach nur das sein, was es eigentlich ist: Die normale Ernährung des Säuglings. Nein, es wird medial ausgeschlachtet und avanciert zu einem hochemotionalen und politischen Thema, bei dem sich die Geister scheiden. Stillen gehört wohl unausgesprochen zu den Themen, die unsere Gesellschaft als Ganzes enorm triggern: Stillen? Nicht stillen? Teilstillen? Kurz stillen? Lange stillen? Was ist richtig, was ist falsch? Wo und wie sollte ich stillen? So viele Fragen, so viele überforderte Mütter und Familien. Aber warum ist das eigentlich so? Wie kann etwas so Natürliches und Ursprüngliches solch extreme Gefühle in alle Richtungen polarisieren? Dieses Phänomen schaue ich mir in diesem Beitrag einmal mit euch an.
So war das Stillen damals
Um zu verstehen, warum die Haltung zum Stillen heute so ist wie sie ist, ist ein kleiner Exkurs in die Vergangenheit nötig. Zur Eingrenzung: Ich spreche in diesem Artikel nur von Deutschland, da ich zu anderen Ländern keine Erfahrungswerte habe. In Deutschland war das Stillen von Säuglingen vor 1950 selbstverständlich, denn es gab zu dieser Zeit weder Beratungsangebote noch Alternativnahrung (und wenn, dann nur für Notfälle). Um 1950 war es also einfach üblich, zu stillen. Zumindest im Verborgenen. In der Öffentlichkeit war es nicht gerne gesehen. In den darauffolgenden 30 Jahren bis 1980 rückte die künstliche Säuglingsernährung in Form von Milchpulver immer mehr in den Vordergrund und sorgt für folgende Veränderungen: Stillen wird von einem großen Teil der Bevölkerung als altmodisch, nicht sättigend, schlecht verdaulich und letztenendes als kompliziert angesehen. Die Stilldauer betrug damals 3-6 Monate und wurde teilweise früh durch künstliche Säuglingsnahrung ersetzt.
So ist das Stillen heute
Zwischen den Jahren 1980 und 2000 wurde das Stillen wieder mehr gefördert, dennoch blieb es zunächst oft bei einer Mischung aus Stillen und künstlicher Säuglingsernährung bei einer durchschnittlichen Stilldauer von 4-6 Monaten. Ab 2000 schossen dann die ersten Stillberaterinnen aus dem Boden und bis heute hat sich einiges getan: Es gibt “Babyfreundliche Krankenhäuser” mit Maßnahmen zur Umsetzung von Bonding und Stillförderung, fest etablierte Mutterschutzgesetze, Stillräume, die Möglichkeit auf Home Office sowie evidenzbasiertes Wissen zum Thema Stillen und dessen positiven Langzeitauswirkungen uvm. Die Stilldauer beträgt jetzt mindestens 6 Monate und vereinzelt gibt es auch Mütter, die jenseits des zweiten, dritten und vierten Lebensjahres stillen. Was es aber auch gibt, sind:
→ Menschen, die Müttern das Stillen in der Öffentlichkeit erschweren, indem sie sich (oftmals in Restaurants) passiv oder aktiv über die stillenden Mütter beschweren.
→ Immer mehr überforderte und verzweifelte Mütter, die dem Druck der modernen Leistungsgesellschaft ausgesetzt sind (Finanzielle Sorgen; Fragen wie “Reicht das Elterngeld?”, “Wie lange kann ich mit dem Baby Zuhause bleiben?” häufen sich).
→ Mangelnde, familiäre Unterstützung (entweder, weil die Bezugspersonen alle in Vollzeit arbeiten, weit weg wohnen oder andere Meinungen zum Thema Stillen und/oder Erziehung vertreten).
→ Gezieltes Marketing und Werbung durch die Babynahrungsindustrie und damit bewusste oder unbewusste Beeinflussung von Eltern. (Hierzu sei angemerkt, dass das Werben für Pre-Nahrung sehr strengen Vorschriften unterliegt, Folgenahrung hingegen darf fast ohne Einschränkungen beworben werden. Viele Eltern erkennen keinen Unterschied zwischen Pre- und Folgenahrung in der Werbung; Resultat: Die Werbung wirkt sich dennoch beeinflussend auf deren Haltung zum Stillen aus).
→ Sehr hohe psychische Belastung von Müttern durch Perfektionismus-Zwang (“die perfekte Hausfrau und Mutter sein wollen”), soziale Erwartungen, Selbstzweifel und die Angst, nicht genug zu sein. Eine Quelle derartiger psychischer Belastungen kann sein: Der enorme Einfluss durch Influencer und sogenannte “Momfluencer” auf Social Media.
→ Stillen erfordert viel Zeit, Ruhe und mehr oder weniger feste Routinen. Das in unserer schnelllebigen Gesellschaft umzusetzen, ist für manche Mütter ein wahrer Kraftakt.
Was würde überforderten Müttern helfen?
Wir sehen: Auch wenn das Stillen im Allgemeinen wieder breiter akzeptiert ist und auch von zahlreichenden Hebammen, Ärzten und Beratenden unterstützt wird, zeigen sich dennoch gravierende Probleme im Alltag vieler Familien. Insbesondere in den Bereichen Psyche, Finanzen und Soziales.
Es bedürfe also neben der wunderbaren Unterstützung u.a. durch Stillberaterinnen auch gravierenden Änderungen hinsichtlich politischer und gesellschaftlicher Aspekte, die stillende Mütter sehr entlasten würden:
1. Stillberatungen sollten regulär von den Krankenkassen übernommen werden (mindestens 3 Stück pro Jahr).
2. Anpassung des Elterngeldes zugunsten der Eltern.
3. Der arbeitende Partner sollte mindestens einen Monat zusätzlichen bezahlten “Baby-Urlaub” nach der Geburt erhalten.
4.Noch mehr Aufklärungsarbeit für die Bedeutung des Stillens.
5.Einheitliche und großflächige Einführung eines “Willkommensgeldes” vom Staat für das Neugeborene (siehe z.B. Italien) ohne komplizierte und zeitintensive bürokratische Hürden.
Beratung und Alltagshilfe aktiv anfordern
Aber auch jetzt schon haben wir Mütter – leider nur auf eigene Anfrage, aber immerhin – die Möglichkeit, Unterstützung einzufordern. Wir können z.B. die Dienste von Mütterpflegerinnen (Haushaltshilfen) in Anspruch nehmen, wenn wir eine medizinische Indikation (z.B. Bewegungsunfähigkeit oder Sonstiges) haben und nachweisen können, dass niemand da ist, um uns beim Haushalt zu helfen.
Auch Stillberatungen können wir in Anspruch nehmen. Zwar müssen wir erst einmal in Privatleistung treten, doch wer bei seiner gesetzlichen Krankenkasse eine Anfrage auf Kostenerstattung stellt, der kann Glück haben und bekommt die Kosten für die Beratung möglicherweise erstattet oder bezuschusst. Meist allerdings nur mit medizinischer Begründung/Notwendigkeit. Nichtsdestotrotz gilt hier der Spruch: Probieren geht über studieren!
Du hast Probleme mit dem Stillen? Schmerzen? Zu wenig Milch?
Ich helfe dir gerne und stehe dir zur Seite. Melde dich ganz einfach über den untenstehenden Button bei mir.
Ich halte fest: Stillen ist im Laufe der Jahrzehnte (wieder) leichter geworden – auf den ersten Blick. Wo früher Probleme waren (z.B. mangelnde Beratungsangebote), sind heute keine. Dafür tun sich die Probleme an anderen Stellen auf – sie sind also nicht weg, sondern haben sich nur verschoben.
Und obwohl wir auch wieder mehr Langzeitstillende unter uns haben, geht auch ein Trend wieder in Richtung Pre-Ernährung: Eine aktuelle KiGGs-Studie zeigt, dass nur noch ca. 13% der Frauen bis zum 6. Lebensmonat ihres Babys vollstillen. (Bitte behaltet trotz dieser alarmierenden Zahl im Hinterkopf: Jeder Tropfen Muttermilch zählt! Das gilt für Teilstillen oder Füttern von Muttermilch auf anderem Wege.)
Das hat viele verschiedene Gründe: Große Influencerinnen mit Millionen Abonnenten, die ihren Followern entweder ganz offensiv oder aber scheinbar unbewusst im Hintergrund ihren “Milchvollautomaten” für die “unkomplizierte” Zubereitung künstlicher Babynahrung zeigen. Oder Social Media-Bekanntheiten, die über das Unvermögen ihrer Brüste sprechen, Milch zu produzieren oder die Aussage tätigen, sie hätten “zu wenig” Milch.
Derartige Äußerungen beeinflussen tausende von jungen Frauen und Müttern. Hinzu kommt die zuvor angesprochene Beeinflussung durch Werbung und Marketing der Babynahrungsindustrie. Auch nahe Verwandte oder Familienangehörige können einen enormen Druck auf stillende Mütter ausüben, wenn sie vom Stillen nicht überzeugt sind.
Fazit
Versteht mich nicht falsch, es kann immer Gründe sowohl medizinischer als auch psychologischer Natur für die Zufütterung mit oder den vollständigen Umstieg auf Pre-Milch geben. Hat die Mutter – aus welchen Gründen auch immer sie nicht stillen kann oder will – eine informierte Entscheidung getroffen und handelt bestmöglich und bedarfsorientiert für sich und ihr Baby, ist das auch durchaus unterstützenswert.
Dennoch sollten wir nie vergessen, was ich zu Beginn des Beitrages schrieb: Stillen ist die natürliche bzw. normale Ernährung des Säuglings und das Füttern von Pre-Milch hat dementsprechend Nachteile. Sei es die Kieferentwicklung, die Zahnstellung, die Sättigungsregulierung, die Fettverteilung im Körper, die fehlenden Antikörper etc.
Mein Ziel ist es nicht, Müttern, die ihren Babys Pre-Milch füttern oder gefüttert haben, ein schlechtes Gewissen einzureden. Nein, das steht mir gar nicht zu. Es geht mir lediglich um das Schaffen von Bewusstsein und Aufklärungsarbeit. Jeder darf für sich eine Entscheidung treffen (Stillen, Teilstillen oder Nicht-Stillen) und/oder sich die nötige Unterstützung holen. Wichtig ist nur, dass man für beider Wohle entscheidet. Das eigene und das des Kindes. Und diese Entscheidung informiert und in vollster Verantwortung trifft.*
*Dieser Satz gilt natürlich nur, wenn man eine Wahl hat. Denn einige, sehr wenige Frauen können aus anatomischen oder anderen gravierenden und nachvollziehbaren Gründen nicht stillen. Ihnen bleibt nur Spenderinnenmilch oder Pre-Milch. Und da Spenderinnenmilch in Deutschland rar und schwer zugänglich ist, fällt die Wahl meistens auf Pre-Säuglingsnahrung. Aber auch bei der Flaschenfütterung gibt es Nuancen. So kann man das Bestmögliche aus der Situation machen und “liebevolles Flaschenfüttern” praktizieren. D.h. konkret: Akribisch auf die Hunger- und Sättigungssignale des Säuglings achten, Milchmenge und Fließgeschwindigkeit nach Bedarf füttern und anpassen, beim Füttern anwesend und zugewandt sein (direkten Hautkontakt pflegen). Und das sind nur einige von vielen Ratschlägen.
Stillen in unserer Gesellschaft
Stillen darf heutzutage nicht einfach nur das sein, was es eigentlich ist: Die normale Ernährung des Säuglings. Nein, es wird medial ausgeschlachtet und avanciert zu einem hochemotionalen und politischen Thema, bei dem sich die Geister scheiden. Stillen gehört wohl unausgesprochen zu den Themen, die unsere Gesellschaft als Ganzes enorm triggern: Stillen? Nicht stillen? Teilstillen? Kurz stillen? Lange stillen? Was ist richtig, was ist falsch? Wo und wie sollte ich stillen?
So viele Fragen, so viele überforderte Mütter und Familien. Aber warum ist das eigentlich so? Wie kann etwas so Natürliches und Ursprüngliches solch extreme Gefühle in alle Richtungen polarisieren? Dieses Phänomen schaue ich mir in diesem Beitrag einmal mit euch an.
So war das Stillen damals
Um zu verstehen, warum die Haltung zum Stillen heute so ist wie sie ist, ist ein kleiner Exkurs in die Vergangenheit nötig. Zur Eingrenzung: Ich spreche in diesem Artikel nur von Deutschland, da ich zu anderen Ländern keine Erfahrungswerte habe. In Deutschland war das Stillen von Säuglingen vor 1950 selbstverständlich, denn es gab zu dieser Zeit weder Beratungsangebote noch Alternativnahrung (und wenn, dann nur für Notfälle). Um 1950 war es also einfach üblich, zu stillen. Zumindest im Verborgenen. In der Öffentlichkeit war es nicht gerne gesehen. In den darauffolgenden 30 Jahren bis 1980 rückte die künstliche Säuglingsernährung in Form von Milchpulver immer mehr in den Vordergrund und sorgt für folgende Veränderungen: Stillen wird von einem großen Teil der Bevölkerung als altmodisch, nicht sättigend, schlecht verdaulich und letztenendes als kompliziert angesehen. Die Stilldauer betrug damals 3-6 Monate und wurde teilweise früh durch künstliche Säuglingsnahrung ersetzt.
So ist das Stillen heute
Zwischen den Jahren 1980 und 2000 wurde das Stillen wieder mehr gefördert, dennoch blieb es zunächst oft bei einer Mischung aus Stillen und künstlicher Säuglingsernährung bei einer durchschnittlichen Stilldauer von 4-6 Monaten. Ab 2000 schossen dann die ersten Stillberaterinnen aus dem Boden und bis heute hat sich einiges getan: Es gibt “Babyfreundliche Krankenhäuser” mit Maßnahmen zur Umsetzung von Bonding und Stillförderung, fest etablierte Mutterschutzgesetze, Stillräume, die Möglichkeit auf Home Office sowie evidenzbasiertes Wissen zum Thema Stillen und dessen positiven Langzeitauswirkungen uvm. Die Stilldauer beträgt jetzt mindestens 6 Monate und vereinzelt gibt es auch Mütter, die jenseits des zweiten, dritten und vierten Lebensjahres stillen. Was es aber auch gibt, sind:
→ Menschen, die Müttern das Stillen in der Öffentlichkeit erschweren, indem sie sich (oftmals in Restaurants) passiv oder aktiv über die stillenden Mütter beschweren.
→ Immer mehr überforderte und verzweifelte Mütter, die dem Druck der modernen Leistungsgesellschaft ausgesetzt sind (Finanzielle Sorgen; Fragen wie “Reicht das Elterngeld?”, “Wie lange kann ich mit dem Baby Zuhause bleiben?” häufen sich).
→ Mangelnde, familiäre Unterstützung (entweder, weil die Bezugspersonen alle in Vollzeit arbeiten, weit weg wohnen oder andere Meinungen zum Thema Stillen und/oder Erziehung vertreten).
→ Gezieltes Marketing und Werbung durch die Babynahrungsindustrie und damit bewusste oder unbewusste Beeinflussung von Eltern. (Hierzu sei angemerkt, dass das Werben für Pre-Nahrung sehr strengen Vorschriften unterliegt, Folgenahrung hingegen darf fast ohne Einschränkungen beworben werden. Viele Eltern erkennen keinen Unterschied zwischen Pre- und Folgenahrung in der Werbung; Resultat: Die Werbung wirkt sich dennoch beeinflussend auf deren Haltung zum Stillen aus).
→ Sehr hohe psychische Belastung von Müttern durch Perfektionismus-Zwang (“die perfekte Hausfrau und Mutter sein wollen”), soziale Erwartungen, Selbstzweifel und die Angst, nicht genug zu sein. Eine Quelle derartiger psychischer Belastungen kann sein: Der enorme Einfluss durch Influencer und sogenannte “Momfluencer” auf Social Media.
→ Stillen erfordert viel Zeit, Ruhe und mehr oder weniger feste Routinen. Das in unserer schnelllebigen Gesellschaft umzusetzen, ist für manche Mütter ein wahrer Kraftakt.
Was würde überforderten Müttern helfen?
Wir sehen: Auch wenn das Stillen im Allgemeinen wieder breiter akzeptiert ist und auch von zahlreichenden Hebammen, Ärzten und Beratenden unterstützt wird, zeigen sich dennoch gravierende Probleme im Alltag vieler Familien. Insbesondere in den Bereichen Psyche, Finanzen und Soziales.
Es bedürfe also neben der wunderbaren Unterstützung u.a. durch Stillberaterinnen auch gravierenden Änderungen hinsichtlich politischer und gesellschaftlicher Aspekte, die stillende Mütter sehr entlasten würden:
1. Stillberatungen sollten regulär von den Krankenkassen übernommen werden (mindestens 3 Stück pro Jahr).
2. Anpassung des Elterngeldes zugunsten der Eltern.
3. Der arbeitende Partner sollte mindestens einen Monat zusätzlichen bezahlten “Baby-Urlaub” nach der Geburt erhalten.
4. Noch mehr Aufklärungsarbeit für die Bedeutung des Stillens.
5. Einheitliche und großflächige Einführung eines “Willkommensgeldes” vom Staat für das Neugeborene (siehe z.B. Italien) ohne komplizierte und zeitintensive bürokratische Hürden.
Beratung und Alltagshilfe aktiv anfordern
Aber auch jetzt schon haben wir Mütter – leider nur auf eigene Anfrage, aber immerhin – die Möglichkeit, Unterstützung einzufordern. Wir können z.B. die Dienste von Mütterpflegerinnen (Haushaltshilfen) in Anspruch nehmen, wenn wir eine medizinische Indikation (z.B. Bewegungsunfähigkeit oder Sonstiges) haben und nachweisen können, dass niemand da ist, um uns beim Haushalt zu helfen.
Auch Stillberatungen können wir in Anspruch nehmen. Zwar müssen wir erst einmal in Privatleistung treten, doch wer bei seiner gesetzlichen Krankenkasse eine Anfrage auf Kostenerstattung stellt, der kann Glück haben und bekommt die Kosten für die Beratung möglicherweise erstattet oder bezuschusst. Meist allerdings nur mit medizinischer Begründung/Notwendigkeit. Nichtsdestotrotz gilt hier der Spruch: Probieren geht über studieren!
Du hast Probleme mit dem Stillen?
Schmerzen? Zu wenig Milch?
Ich helfe dir gerne und stehe dir zur Seite. Melde dich ganz einfach über den untenstehenden Button bei mir.
So werden junge Mütter beeinflusst
Ich halte fest: Stillen ist im Laufe der Jahrzehnte (wieder) leichter geworden – auf den ersten Blick. Wo früher Probleme waren (z.B. mangelnde Beratungsangebote), sind heute keine. Dafür tun sich die Probleme an anderen Stellen auf – sie sind also nicht weg, sondern haben sich nur verschoben.
Und obwohl wir auch wieder mehr Langzeitstillende unter uns haben, geht auch ein Trend wieder in Richtung Pre-Ernährung: Eine aktuelle KiGGs-Studie zeigt, dass nur noch ca. 13% der Frauen bis zum 6. Lebensmonat ihres Babys vollstillen. (Bitte behaltet trotz dieser alarmierenden Zahl im Hinterkopf: Jeder Tropfen Muttermilch zählt! Das gilt für Teilstillen oder Füttern von Muttermilch auf anderem Wege.)
Das hat viele verschiedene Gründe: Große Influencerinnen mit Millionen Abonnenten, die ihren Followern entweder ganz offensiv oder aber scheinbar unbewusst im Hintergrund ihren “Milchvollautomaten” für die “unkomplizierte” Zubereitung künstlicher Babynahrung zeigen. Oder Social Media-Bekanntheiten, die über das Unvermögen ihrer Brüste sprechen, Milch zu produzieren oder die Aussage tätigen, sie hätten “zu wenig” Milch.
Derartige Äußerungen beeinflussen tausende von jungen Frauen und Müttern. Hinzu kommt die zuvor angesprochene Beeinflussung durch Werbung und Marketing der Babynahrungsindustrie. Auch nahe Verwandte oder Familienangehörige können einen enormen Druck auf stillende Mütter ausüben, wenn sie vom Stillen nicht überzeugt sind.
Fazit
Versteht mich nicht falsch, es kann immer Gründe sowohl medizinischer als auch psychologischer Natur für die Zufütterung mit oder den vollständigen Umstieg auf Pre-Milch geben. Hat die Mutter – aus welchen Gründen auch immer sie nicht stillen kann oder will – eine informierte Entscheidung getroffen und handelt bestmöglich und bedarfsorientiert für sich und ihr Baby, ist das auch durchaus unterstützenswert.
Dennoch sollten wir nie vergessen, was ich zu Beginn des Beitrages schrieb: Stillen ist die natürliche bzw. normale Ernährung des Säuglings und das Füttern von Pre-Milch hat dementsprechend Nachteile. Sei es die Kieferentwicklung, die Zahnstellung, die Sättigungsregulierung, die Fettverteilung im Körper, die fehlenden Antikörper etc.
Mein Ziel ist es nicht, Müttern, die ihren Babys Pre-Milch füttern oder gefüttert haben, ein schlechtes Gewissen einzureden. Nein, das steht mir gar nicht zu. Es geht mir lediglich um das Schaffen von Bewusstsein und Aufklärungsarbeit. Jeder darf für sich eine Entscheidung treffen (Stillen, Teilstillen oder Nicht-Stillen) und/oder sich die nötige Unterstützung holen. Wichtig ist nur, dass man für beider Wohle entscheidet. Das eigene und das des Kindes. Und diese Entscheidung informiert und in vollster Verantwortung trifft.*
*Dieser Satz gilt natürlich nur, wenn man eine Wahl hat. Denn einige, sehr wenige Frauen können aus anatomischen oder anderen gravierenden und nachvollziehbaren Gründen nicht stillen. Ihnen bleibt nur Spenderinnenmilch oder Pre-Milch. Und da Spenderinnenmilch in Deutschland rar und schwer zugänglich ist, fällt die Wahl meistens auf Pre-Säuglingsnahrung. Aber auch bei der Flaschenfütterung gibt es Nuancen. So kann man das Bestmögliche aus der Situation machen und “liebevolles Flaschenfüttern” praktizieren. D.h. konkret: Akribisch auf die Hunger- und Sättigungssignale des Säuglings achten, Milchmenge und Fließgeschwindigkeit nach Bedarf füttern und anpassen, beim Füttern anwesend und zugewandt sein (direkten Hautkontakt pflegen). Und das sind nur einige von vielen Ratschlägen.